ARBEIT UND DEPRESSION: DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT ALS OPTION FÜR EIN GESÜNDERES ARBEITSLEBEN

 

Früher hätten mir alle davon abgeraten einen Artikel über Depression auf meinem Blog zu veröffentlichen:

„Spinnst du? Was werden deine Kunden von dir denken? Das ist doch Privatsache! Du weißt doch, wenn es einmal im Internet veröffentlicht wird, bleibt es für IMMER im Netz… „

Heute habe ich viele Menschen um mich rum, die das anders sehen und mich unterstützen. Deswegen GO FOR IT!

 

DEPRESSION IST EIN GESELLSCHAFTSTHEMA

Das Thema Depression ist keine Privatsache, es ist ein Gesellschaftsthema. Es betrifft jeden von uns. Denn es kann jeden von uns treffen. Oder eine Person in unserem Umkreis.

Die Ursache von Depressionen haben viel mit unserer Gesellschaft und unserem Arbeitsalltag zu tun. Genau deswegen ist es wichtig, darüber mittendrin im Arbeitsumfeld zu sprechen.

 

DIE GRENZEN ZWISCHEN PRIVAT – UND BERUFSLEBEN VERSCHWIMMEN

Durch die Digitalisierung rücken Privat – und Berufsleben immer mehr zusammen. Wir sind überall und jederzeit erreichbar. Wir kommunizieren einfacher und schneller und checken unser Smartphone alle 7 Minuten.

Ob Anrufe, E-Mails, SMS, Whats App Gruppen und Social Media Feeds – die beruflichen und privaten Nachrichten vermischen sich.

Digitale Beschleunigung, Informationsüberflutung, Stress und Leistungsdruck betreffen heute so gut wie jeden. Arbeit und Stress nehmen das Privatleben ein. Der Körper und der Kopf fahren auf Hochtouren – ein Ausnahmezustand, der heute zur Norm geworden ist. Ein Zustand, der sich in unserer Leistungsgesellschaft etabliert hat.

Die Konsequenzen? Psychische und körperliche Erkrankungen. 
Stress, Burnout, Depression.

 

DIE DEPRESSION ERKENNEN UND VERSTEHEN

 

DEPRESSION IST EINE KRANKHEIT

 

Hast du`s schon oder kommt es noch? Das klingt erst einmal komisch, aber da ist was dran. Denn laut aktuellen Untersuchungen erkranken 80 Prozent aller Menschen (zumindest kurzzeitig) einmal in ihrem Leben an einer psychischen Erkrankung.

Laut dem Artikel „Nur eine Minderheit bleibt ein Leben lang psychisch gesund“ ist es wahrscheinlicher eine psychische Störung zu entwickeln, als etwa an Diabetes, Herzerkrankungen oder Krebs zu erkranken.

Neben der Angststörung ist Depression die häufigste psychische Erkrankung. Nicht umsonst wird sie als Volkskrankheit bezeichnet.

 

EINE DEPRESSION IST NICHT LEICHT ZU ERKENNEN

 

Depressionen kommen öfters vor, als wir denken, aber sie sind fast nicht sichtbar. Die Ursache und ihr Ablauf sind anders als bei körperlichen Krankheiten. Sie ist am Anfang nicht so klar zu erkennen, wie z.B. ein Beinbruch. Und ihre Ursache ist kein plötzlicher, unbegründeter Unfall.

Eine Depression entwickelt sich langsam, unterschwellig und sie hat mehrere Ursachen.

Das Problem dabei ist, dass viele Betroffene nicht wissen, dass sie krank sind. Oder sie wollen es nicht wissen. Von 100 erkrankten Menschen, suchen derzeit nur etwa 35 professionelle Hilfe (Mehr Infos).

 

MIR GING ES GENAUSO

 

Ich ahnte, dass etwas nicht stimmt. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es eine Depression sein könnte.

Der Begriff „Depression“ war so groß für mich. Depression – das haben die anderen. Aber ich doch nicht! Das geht schon von alleine weg. Ich komme auch alleine klar und brauche keinen Therapeuten. Das dachte ich jedenfalls.

 

DEPRESSION – DAS HABEN DIE ANDEREN, ABER ICH DOCH NICHT!

 

ICH HABE GELERNT GAS ZU GEBEN, ZU ARBEITEN UND ZU KONSUMIEREN

 

Ich bin in der Leistungsgesellschaft groß geworden. Von klein auf, habe ich das getan, was man von mir erwartet. Ich habe mich wunderbar, an die Gesellschaft angepasst:

Ich habe mein Abitur und mein Studium abgeschlossen, habe 5 Sprachen gelernt, bin nach dem Abi ins Ausland gegangen, ich habe zahlreiche Praktika absolviert und während meines Studiums in der Bar gejobbt.

Seit ich Kind bin habe ich gelernt selbstständig und taff zu sein. Mir wurde beigebracht, dass das zeigen von Gefühlen eher ein Nachteil ist und dass man sich lieber auf den Verstand verlassen sollte. Ich habe gelernt rational zu denken, Gas zu geben und meine Ziele zu verfolgen.

Alles prima! Von Außen betrachtet war ich „erfolgreich“. Aber von Innen wurde ich immer leerer.

 

LEISTUNG IST WICHTIGER ALS DIE EIGENE PERSON

 

Wir sind in einer Gesellschaft indem die Leistung wichtiger ist, als die eigene Person und die eigenen Gefühle. Von klein auf lernen wir zu funktionieren und fleißig zu sein. Wir lernen zu arbeiten, zu konsumieren und uns selbst mit schönen, materiellen Dingen zu belohnen.

Das kann eine Weile gut gehen. Viele Menschen funktionieren ihr Leben lang auf diese Weise. Wir bauen einen emotionalen Panzer um uns rum und stecken dabei alles gut weg. Aber dabei entfernen wir uns von uns selbst.

 

SCHRITT FÜR SCHRITT ENTFERNEN WIR UNS VON UNS SELBST

 

Wir lernen zu leisten, aber wir lernen nichts, über eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung und das eigene Innere. Über den Umgang mit Gefühlen. Keiner zeigt uns, wie man bei sich bleiben kann. Wie wichtig es ist, auf sein inneres Warnsystem zu hören.

Wir lernen nicht, wie man negative Gefühle annimmt und negative Erlebnisse verarbeitet. Wir lernen das Negative und unsere Verletzbarkeit zu unterdrücken.

Und wir lernen uns immer mehr abzulenken mit noch mehr Arbeit, Shoppen, Medien, Smalltalk, Party und Alkohol.

UNTERDRÜCKTE NEGATIVE GEFÜHLE EBNEN DEN WEG ZUR DEPRESSION

 

Die Konfrontation mit negativen Gefühlen wie Trauer, Scham, Wut oder Aggression ist sehr schwierig und sie macht uns schwach und verletzbar. Deswegen meiden wir sie lieber und es ist einfacher sie zu unterdrücken.

Das Problem: Unterdrückte Gefühle können nicht verarbeitet werden. Sie sammeln sich an, irgendwo am Boden unseres Inneren. Sie verklumpen und werden immer schwerer. Und irgendwann macht`s BÄM!

 

BÄM! IRGENDWANN BRICHT DAS SYSTEM ZUSAMMEN

 

Diese Abwärtsspirale führt nach unten, bis das eigene Konstrukt irgendwann zusammenbricht. Ein Nervenzusammenbruch, ein Burnout. Diagnose Depression. Dann ist sie da zu 100%. So war es jedenfalls bei mir.

Ablenkung, mal in den Urlaub fahren, mehr Sport machen oder sich einfach Zusammenreißen helfen nicht mehr. Der Körper und die Psyche streiken.

EINE DEPRESSION IST WIE EIN VERBRAUCHTER IPHONE AKKU

 

Ich vergleiche die Depression gerne mit einer kaputten iPhone Batterie: Ein funktionierender Akku ist nach der Ladezeit (morgens nach dem Schlafen) voll aufgeladen und verbraucht sich stückweise innerhalb eines Tages.

Bei einer Depression zeigt der Akku nach der Schlafenszeit immer noch 3% oder 10%. Oder die Anzeige scheint am Morgen 100% anzuzeigen, aber in der nächsten Stunde sind es nur noch 5% Energie.

 

WAS BEDEUTET DAS FÜR DEN ALLTAG?

 

Die einfachsten Schritte, wie aufstehen, sich ankleiden und einkaufen sind kaum oder nur mit größter Anstrengung möglich. Das Arbeiten ist kaum oder überhaupt nicht mehr möglich.

Oft ist der Zustand zusätzlich mit körperlichen Beschwerden, wie Kopf – und Rückenschmerzen, Angstattacken, Herzrasen, Schlafstörungen und Suizidgedanken verbunden. Nichts ist so, wie es davor war. Ich habe mich selbst nicht mehr wieder erkannt.

 

EINE DEPRESSION IST EIN STREIK – UND WARNZUSTAND

 

Kein Wunder, dass das System nicht mehr funktioniert. Denn eine starke Depression ist ein absoluter Protest und ein Warnzustand der eigenen Psyche und des Körpers. Spätestens dann ist professionelle Hilfe absolut notwendig!

Eine Depression ist ein Zeichen, das etwas schief läuft und dringend geändert werden muss. Bei einer fortgeschrittenen Depression lässt sich der Zustand nicht mehr selbstständig ohne professionelle Hilfe bewältigen. Eine Psychotherapie ist dringend notwendig, um die eigenen Denk – und Gefühlsmuster zu erkennen und aufzulösen.

 

RAUS AUS DEM HAMSTERRAD DER LEISTUNGSGESELLSCHAFT

 

Es ist nicht einfach seinen Arbeitsalltag zu ändern. Ich habe es selbst an eigenem Körper erleben müssen. Erst wenn gar nichts mehr geht und alles zusammenbricht, sind wir bereit an unserer Lebensweise etwas zu ändern.

Das ist der Punkt an dem ich mich fragte, wie soll mein Privat – und Arbeitsleben zukünftig aussehen. Was ist mir wirklich wichtig und was macht für mich persönlich wirklich Sinn? Was tut mir gut und was schadet mir?

Mit Hilfe einer Psychotherapie habe ich wieder bei Null angefangen und mein Leben neu sortiert: Beziehungen, Ernährung, Bewegung, Konsumverhalten, Wohnraum und meinen Job.

In meinem Artikel BE SMART, NOT HARD! Erfolg durch Achtsamkeit im Alltag erfährst du 20 wichtige Tipps, wie du einen achtsamen Umgang mit deiner Energie im Alltag entwickeln kannst.

 

RAUS AUS DER DEPRESSION, REIN IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT

 

Für mich war es schnell klar, dass ich meinen bisherigen Job nicht mehr machen kann. Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht und THINK IN COLOURS gegründet.

Ich habe ein digitales Arbeitsmodell für mich geschaffen, dass ich mit meinen Wertvorstellungen und einer gesunden Lebensweise vereinbaren kann.

 

DIE VERBINDUNG VON VERSTAND UND EMOTION

 

Die Trennung von Kopf und Herz haben zu meiner Depression geführt. Deswegen ist mir persönlich wichtig, die harten mit den weichen Faktoren zu verbinden.

Sprich Arbeiten, Geld verdienen, smarte Strategien entwickeln, aber gleichzeitig auch positive und faire Beziehungen aufbauen, nachhaltig und kreativ arbeiten, Spaß haben. Raum für mich und mein Privatleben haben.

Arbeit darf und soll Spaß machen und sie soll fördern und uns die Möglichkeit geben uns weiter zu entwickeln. Aber auf keinen Fall sollte uns Arbeit schaden.

 

NACHWORT

Mit Sicherheit ist die Selbstständigkeit nicht für alle Betroffenen, die an Depressionen leiden geeignet. Wir sind alle unterschiedlich und jede Depression ist anders. Für manche kann die Selbstständigkeit sogar zur Belastung werden. Für andere kann es eine Option sein. Eine neue Chance.

Dieser Artikel ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und ersetzt kein professionelles Gespräch mit einem Psychotherapeuten.

 

5 Comments
  • Maggie

    29. Mai 2018 at 14:06 Antworten

    Ein super und aufbauender Artikel. Danke dir liebe Lucy!
    Wie du ja selbst schreibst, ist die Selbstständigkeit ein Weg, sich Arbeitsdruck zu entziehen – ging mir absolut genau so!

    Lieber Gruß
    Maggie

    • Lucy Rzedkowska

      29. Mai 2018 at 15:09 Antworten

      Ich freue mich sehr über dein Feedback!
      Danke, liebe Maggie <3

      Liebe Grüße
      Lucy

  • Hofatelier Reichenbach

    29. Mai 2018 at 15:27 Antworten

    Endlich mal jemand, der sich traut es auf den Punkt zu bringen. Ich selbst quäle mich seit Jahren durch diverse Jobs die mir einfach kein Spaß machen, weil man nur verheizt wird und auch nie ein Wort der Anerkennung für seine Leistung bekommt. Man hetzt nur von Wochenende zu Wochenende, versucht da die Dinge zu erledigen, auf die man unter der Woche einfach keinen Bock mehr hat, weil man platt ist….hinzu kommt das 4-Schicht-System seinerseits…da bleibt auch viel in der Beziehung auf der Strecke. Auch wir sehen eigentlich nur noch den Weg in die Selbstständigkeit um aus dieser Tretmühle rauszukommen.
    Danke für Deinen inspirierenden Artikel.

    Ganz liebe Grüße von Diana

    • Lucy Rzedkowska

      29. Mai 2018 at 16:12 Antworten

      Liebe Diana! Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Es ist nicht leicht, aber es gibt einen Weg um da rauszukommen. Ich denke, wenn man selbstständig ist, kann man das bis zu einem bestimmten Punkt selbst steuern. Man ist sein eigener Chef. Aber auch in der Selbstständigkeit ist man vor der Tretmühle nicht ganz sicher. Jedenfalls benötigt es viel Achtsamkeit um sich nicht wieder ins Hamsterrad mit reinziehen zu lassen. So geht es mir jedenfalls 🙂

      Ich drücke dir/euch beiden die Daumen & wünsche dir, dass du dort ankommst, wo du hin möchtest!

      Liebe Grüße
      Lucy

      • Hofatelier Reichenbach

        30. Mai 2018 at 2:33 Antworten

        Vielen lieben Dank für Deine netten Worte💕
        Wir werden aufpassen. Viel Arbeit wird es so oder so, aber wenigstens eine die Spaß macht 😊

        Viele liebe Grüße 😘

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